Die Jury
Chemnitz, 16.01.2010
Hoch vom Sofa!
Jugendliche entscheiden über sächsische Jugendprojekte.
Gedanken zur Jurysitzung von Kevin Fischer (17 Jahre)
14 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren haben gemeinsam in einer Jury am 15. und 16. Januar über Projekte aus ganz Sachsen abgestimmt. 70 Projekte, die von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zur Entscheidung vorgelegt wurden, machten der Jury ein ganz hartes Stück arbeit.
Vier Jugendgruppen und ein Fachbeirat haben getrennt voneinander über die zwei Tage die Projekte nach Sinnhaltigkeit, Kreativität, Nachhaltigkeit und Teamfähigkeit kritisiert. Dass diese Aufgabe nicht leicht war, haben alle gemerkt. Mehrmals gab es Projekte für Kletterwände, Renovierungsanträge für Jugendclubs und Spielplätze für Spiel, Sport und Spaß, doch wer darf weiter?
Am Freitagmittag traf sich die Jugend aus ganz Sachsen, die mit dem Zug, oder mit dem Auto angereist waren, mit den Bertreuerinnen Dana und Anikó. Diese hatten die ehrenvolle Aufgabe, diese 14 jungen Seelen zu hüten und sicher zur Brücke-Most-Villa zu bringen. Bereits hier lernten sich die Ersten näher kennen und sprachen über ihre eigenen Projekte. Gute Vorraussetzungen für das noch Bevorstehende. Angekommen, lernte man in einem Stuhlkreis seinen Nachbarn näher kennen und durfte diesen dann den Anderen vorstellen.
Es stand fest, Annabelle, Annegret, Christin, Lisa, Marie, Andreas, Ferenc, Denis, Kevin, Kevin F., Marc, Nico und Robert sowie unsere Peertrainer Dez, Hannes und unsere zwei Maries hatten eine Bestimmung. Welche von den 70 Projekten soll noch dieses Jahr in die Realität gefördert und umgesetzt werden?
Begleitet wurde das ganze mit einem Fotografen, der irgendwie Lust hatte, mich, zu fotografieren. [Klick!] Wahhh!! Hä? Wo? Keiner da? Na Gott sei Dank!
Nachdem wir dann unser alltägliches Mittagsmahl (Kartoffelsuppe „Dresdner Art“) zu uns genommen hatten, wurde mit der Arbeit begonnen.
Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Wie kommen wir da hin? Was sind meine/unsere größten Ängste? Diese Fragen stellten sich nun die vier spontan gebildeten Gruppen von drei bis vier Leuten. Der Fachbeirat verschwand für sich und die Jugendjury suchte fleißig nach Kriterien, nach denen man die Projekte bewerten kann, und bewerten will.
Folglich wurde man, dank „Tropical-Haribo-Gummibärchen“ noch einmal voneinander getrennt und kam in die jeweilige Gruppe, mit den gleichen Früchten. (Na, vielen Dank aber auch. Ich war so froh über meine Gruppe…), schnief.
Verteilt auf verschiedene Räumlichkeiten begann die komplette Jury mit Arbeiten. Jede Gruppe bekam 16 bis 18 Projekte und man suchte nach positiven und negativen Argumenten, und beurteilte nach den Kriterien, auf die sich die Jugendjury selbst geeinigt hatte. Das ganze ging dann bis 19 Uhr [!!Stöhn!!]. Nach dem Abendbrot versammelten sich die Gruppen wieder, um über die Entscheidungen noch einmal nachzudenken.
Dann ging es zum Bowlen ins Bowlingcenter. Als wir nach der großen Lektüre über Dresden und der grünen Brücke, das „Blaue Wunder“ von unserer Dresdnerin endlich angekommen waren, hatten wir satte zwei Stunden für Spiel und Spaß.Wer bereits schon einmal zuvor eine Bowlingkugel in der Hand hielt, war hier in großem Vorteil.
Erschöpft und müde wieder in der Villa angekommen, ging man schnell noch seiner täglichen Körperpflege nach und schließlich um 23 Uhr ins Bett.
Während der Nachtruhe, bekam man eine kleine Überraschung zu hören. Und das sogar Gratis! Die nächtliche Ruhe in Zimmer drei und vier wurde mit einem „Schnarch“ ähh Streichorchester und einem Singsang von noch unbekannten Worten diverser Personen ganz schön auf Trapp gehalten.
Halb sieben am nächsten Morgen weckte unser Zimmer dann allmählich die noch schlafenden BetreuerInnen und die Zimmer zwei und drei, mit der besten Musik von heute aus Rock, Pop und Heavy Metal.
Nach dem Frühstück ging man wieder seiner Aufgabe nach. Man begann mit dem Ranking (to rank àengl. einreihen), was die ganze Zeit bis zum Mittag beanspruchte. Nach dem Mittag, bestehend aus Hausgemachten Pommes und Schweine- bzw. Gemüseschnitzel (für unsere Vegetarier) bekamen wir noch etwas Zeit für uns und unsere neuen Freunden.
Um 15 Uhr dann, war der große Moment, auf den alle gewartet haben. Wer war noch im Rennen, wer war leider schon raus? Die Jury, jung und alt, groß und klein führte eine letzte Plenumssitzung (Plenumàlat. Vollversammlung) durch. 46 Projekte hatten es ins Finale geschafft. Der Countdown (Countdown àamerik. Zeit bis zum Punkt Null) läuft. Wie viele und vor allem welche Projekte können von den 80.000 Euro gefördert werden?
Die Antwort: 28. Für den einen war es Glück, für den anderen blieb der Traum von seinem Projekt leider aus. Doch Tapferkeit haben alle bewiesen.
Nun standen wir, wie es im Leben so ist, vor dem Anfang vom Ende. Nachdem jedes Jurymitglied und alle Helfer ein Zertifikat und ein kleines Präsent erhalten hat (Ps.: Ich hab kein Kissen mehr abbekommen), machten wir uns trotz Herzensschmerz auf die Heimreise.
Eine Gruppe, die sich in aller schnelle zusammengefunden hatte.
Eine Gruppe, die soeben etwas so großes geleistet hatte.
Eine Gruppe, die sich so nie wieder sehen wird, tauscht schnell noch Adressen und Telefonnummern aus, bevor sie endgültig zerrissen wird und auf den Heimweg macht.
Ich glaub, jeder von uns hat bei jedem eine Spur hinterlassen. Ich wünsche allen, die ihre Projekte in Realität umsetzen können, alles Gute und kann denen sagen, die nicht so viel Glück hatten: Macht weiter. Bildet eine Initiative mit Freunden oder mit der Schule, um euer Projekt doch noch in Realität umsetzen zu können. Ich sag immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn sie doch so klein ist.
Ich habe euch diesen Text geschrieben, damit ihr diese zwei Tage nie vergessen werdet. Aber auch um mich bei euch allen zu bedanken, die ihre Stimme meinem Projekt gegeben haben. Umso mehr tut es mir für all diejenigen Leid, deren Projekte ich selber rausgeschmissen habe.
Ich vermisse euch alle sehr, liebe Grüße und alles Gute aus Chemnitz...
Euer Kevin



