Torsten Kluge / 12. Juni 2017

Auf Tour ... Sebnitz-Welt-Sebnitz

Bunt und eng ist es in den Sebnitzer Straßen und Gassen. Dieses Labyrinth führt mich am Kindertag (Zufall) in entlegene Winkel der Stadt – bis hinein in einen Hinterhof, dessen Gebäude drum herum wie ein Mehrgenerationenhaus zu funktionieren scheinen. Schön zu sehen, dass eine Reihe jugendlicher Skater den Platz erobert hat. Aber das ist hier und heute nicht mein Thema, bin ich doch auf der Suche nach eher graffiti-affinen Altersgenossen. Mit zwei, drei Nachfragen finde ich dann auch den Eingang zum regelmäßigen Treffraum der „Hoch vom Sofa“-Kids.

Im Gespräch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass hier in Sachen Graffiti so einiges geplant wird, offenbart sich minütlich im Gespräch mit den Initiatoren des Projektes „Was läuft so?!“ – denn nach und nach werden verschiedenste Modelle und Utensilien hervorgeholt, die sich im Laufe der Zeit im Büro der Aktion Zivilcourage (genauer gesagt bei „Hier.bewegen.Wir!“) so angesammelt haben…

Modell an Pappe 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da tauchen Zeichnungen und Skizzen auf, Papp-Nachbildungen, …

Vorrat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spraydosen-Arsenale, …

man denkt sehr weit 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

globale, ja sogar universelle Gemälde aus dem Keller-Archiv und…

technisches Knowhow selbst gebastelt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

notwendiges Handwerkszeug.

Alles wartet auf seinen Einsatz am Zielobjekt, einem alten Stromverteil-Gebäude in der Nähe des KIEZ Sebnitz, also schon ein Stück außerhalb des Stadtzentrums.

Noch gibt es eine „Bremse“, welche wahrscheinlich nur durch die erwachsenen Begleiter schnell genug gelöst werden kann: der regionale Stromanbieter muss noch sein Okay geben. „Wir hoffen“, so Friedemann Brause, „dass sich das nicht zu lang hinzieht!“. Schließlich soll es schon im Juni mit der Grundierung der Wände losgehen und bis zu den Ferien eine weitere bunte Welt in Sebnitz entstehen. Friedemann hatte sich zu  meinen zwei taffen jugendlichen Gesprächspartnern gesellt, die voller Begeisterung davon berichten, dass das Thema Graffiti sie schon die letzten anderthalb Jahre in den Bann gezogen hat – ja sie sogar teilweise darüber nachdenken lässt, ob das nicht eine Sache wäre, die vom Hobby mal zum Beruf reicht. Damals Ende 2015 trafen sie sich das erste Mal bei einem Workshop am Gymnasium. Nicht viel später war eine graue Mauer neues farbenfrohes Mitglied im Stadtbild geworden. Das hatte für Aufsehen gesorgt bei der anfangs skeptischen, aber dann doch recht zufriedenen Einwohnerschaft des knapp 9000-Seelen-Ortes. Geblieben ist eine ca. sechs-Leute-starke Truppe aus 14- bis 17-Jährigen, die unbedingt weiter machen wollten, auch wenn so manche/r der Schülerinnen und Schüler gar nicht in Sebnitz wohnt.

Beweisfotos der vergangenen Aktionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klar könnten es noch mehr Kids und Jugendliche sein, die mit einsteigen ins Projekt. Meist passiert das aber erst, wenn es praktisch wird. Auch gehen die Interessen beim Freizeit gestalten ordentlich in die Breite, wie die Skate-Kollegen 50m weiter in der Nachbarschaft beweisen.

Um so mehr Farbtupfer in die Stadt kommen, desto größer wird das Interesse am Sprayen. Da sind sich meine Gastgeber einig. Im Graffiti lässt sich vieles verwirklichen, vieles ausdrücken, vieles darstellen – vom Lieblingstier bis zum Universum. Und auch wenn Sebnitz in einem grenznahen Tal liegt, muss das ja nicht gleich bedeuten, dass man hier in Grenzen denkt. So wird das Stromhäuschen die Welt in die Stadt holen und ganz verschiedene Welten abbilden. Coole Idee! Und prompt…

…als ich nach Hause fahre (natürlich mit dem Versprechen, das Ergebnis in real bei einem zweiten Besuch zu bewundern), finde ich Sebnitz gleich noch ein Stück bunter und eigentlich gar nicht mehr so eng ;-)- dank euch!!!

Euer Torsten