Fabiane Rohr / 6. Juli 2015

Bis(s) zum Fußkrampf - Erster Projektbesuch bei der DRK Wasserwacht Jugend

Als absolute Wasserratte habe ich mich tierisch gefreut, als mich Katrin (Jugendwart von der DRK Wasserwacht Jugend in Dresden) für den ersten Projektbesuch zum Rettungsschwimmtraining einlud.

Bei der Wasserwacht werden die zwischen zwölf- und siebzehnjährigen zu Rettungsschwimmern ausgebildet und arbeiten ehrenamtlich beim DRK. Im Sommer sichern sie einige Freibäder ab. Darüber hinaus fahren sie an die Ostsee und unterstützen dort die Strandabsicherung bei befreundeten Wasserwachten.

Bei Hoch vom Sofa machen sie mit, weil sie sich ein Rettungsbrett anschaffen wollen, um Jugendliche daran auszubilden. Dazu wollen sie ein Trainingslager an der Talsperre Malter durchführen, wo sie die Handhabung des Brettes erlernen, um seine Vorteile ausnutzen zu können. Einige davon wären z.B., dass man mit einem Rettungsbrett den Rettling schneller erreicht und nicht so viel Kraft benötigt. So können die Jugendlichen auch Erwachsene retten.

Voller Energie stürzte ich mich also mit Babybauch ins kühle Nass (eigentlich war’s saukalt!!) und zog meine ersten Bahnen zur Aufwärmung. Im Vorfeld habe ich mir erklären lassen, wie das Training abläuft: es gibt drei verschiedene Bahnen – eine für Anfänger, wo die Grundlagen für’s Rettungsschwimmen erlernt werden, eine für freies Training und eine für angeleitetes Training zur Stärkung von Kraft und Ausdauer.

Das angeleitete Training übernahm Katrin und sie ermutigte mich, es dort mit zu versuchen. Ich könne ja jederzeit auf die andere Bahn wechseln, wenn’s mir zu anstrengend wird. Gesagt, getan. Im Wettbewerb sollten immer zwei vom einen Beckenrand zum anderen schwimmen, unter Vorgabe eines Schwimmstils – also Brust, Kraul, Rücken oder Freistil. Am Anfang hielt ich noch ganz gut mit, aber nach den ersten zehn 25-Meter-Bahnen bekam ich auf einmal einen fürchterlichen Fußkrampf. Zum Glück konnte ich noch schwimmen und biss mich bis zum Beckenrand zurück, wo die anderen schon auf die nächste Ansage von Katrin warteten. Nachdem ich meinen Fuß rauf und runter bewegt und versucht habe, den Krampf zu lösen, versuchte ich es noch ein paar Runden, gab dann aber vorsichtshalber auf.

Den Rest des Trainings beobachtete ich von der Zuschauer-Tribüne aus. Zu meiner großen Freude boten Katrin und die anderen Jugendlichen einen Vorgeschmack darauf, was beim Trainingscamp gelernt wird: das Retten von Personen mit einem Rettungsbrett. Hierbei handelte es sich aber um ein sog. Combi-carrier, also ein Spineboard, das man in der Mitte öffnen kann. Das wird verwendet, um aus fließenden Gewässern zu retten und um Menschen zu retten, bei denen man von Wirbelsäulenschäden ausgehen kann, die daher so wenig wie möglich bewegt werden sollen.

Von der Tribüne aus konnte ich ein paar Fotos schießen:

So läuft die Rettung mit dem Spineboard ab: zunächst schwimmt eine/r zur ertrinkenden Person und versucht sie über Wasser zu halten, bis ein Team von vier Personen mit dem Spineboard an der Unglücksstelle eintrifft. Dann wird das Board unter die ertrinkende Person geschoben und sie wird daran festgeschnallt. Während die Rettungscrew mit dem Board an Land schwimmt, drücken die beiden hinteren Rettungsschwimmer die Fuß-Seite nach unten, um den Kopf des Rettlings immer über Wasser zu halten. Beim Herausheben muss darauf geachtet werden, dass zwei Retter unter die Arme des Opfers greifen und nicht von oben am Board ziehen, da es sich sonst an den Befestigungsbändern verletzten könnte.

Damit das im Ernstfall reibungslos funktioniert, braucht’s ’ne Menge Übung. Deswegen freue ich mich, dass der Termin für das Trainingslager bereits feststeht (6.-8. September) und ein Rettungsbrett durch die Förderung von Hoch von Sofa angeschafft werden kann.

Übrigens: In Sachsen werden händeringend Rettungsschwimmer gesucht! Durch den Ausbau der Seenlandschaft rund um Leipzig und in der Lausitz kommen immer mehr Gewässer hinzu, die überwacht werden müssen. Im vergangenen Jahr gab es in Sachsen laut DLRG 19 Badetote, 2013 waren es 26. [Quelle: mdr] Und Katrin schrieb mir: „Nur letztes Wochenende sind 12 Menschen in Deutschland ertrunken!“.

Zur Begrüßung und zum Abschluss jedes Trainings ertönt aus Katrins Mund ein lautes „HILFSBEREIT?“ und die Nachwuchs-Rettungsschwimmer antworten: „IMMER HILFSBEREIT!“.

Ein bisschen erschöpft aber total entzückt von dieser harmonischen Vereinsjugendgruppe fuhr ich nach Hause und genoss den Chlor-Geruch in meinen Haaren.

 

 

 

 

 

 

 


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