Torsten Kluge / 6. November 2015

Da wo man singt,...

Es war ein Abend, der besonderen Art, den ich am letzten Samstag erleben durfte. Die Dunkelheit hatte das Dorf Saalau bei Wittichenau schon eingeholt – der Platz hinter dem Club der Katholischen Jugend hatte aber leuchtende Atmosphäre durch Feuerschalen und Schwedenfeuer.

2015-10-31 18.47.46

 

 

 

 

 

Es passiert nicht allzu oft, dass die 6 Jugendclubs aus der Kommune in dieser Art und Anzahl zusammen kommen. Ab 19 Uhr füllte sich der Hof so, dass nur die Hälfte auf den Bänken im Rondell sitzen konnte. Das war auch nicht schlimm, denn an jeder Ecke bildeten sich Gruppen im regen Austausch.

Nicht alle hatten mitbekommen, dass die Youngster aus ihren Vereinen den halben Sommer damit verbracht hatten, Liedtexte zu tippen und abzuspeichern. Nun hatte jeder der ca. 80 Anwesenden ein Büchlein in der Hand, praktisch im Jackentaschenformat. Rund 100 Lieder sind darin enthalten – deutsche Volkslieder, sorbische Songs, aber auch  Eigenkreationen – die sich über die Jahre in den Dörfern durchgesetzt haben.

Die Tradition, Lieder zu singen und dazu zu tanzen hat in der Region Tradition. Auch die Elterngeneration hatte sich daran versucht, dieses Ritual in Schriftform festzuhalten. Aber nur wenige Kopien haben sich für die Nachnutzer der Jugendclubs erhalten. Und es sind stetig neue Lieder dazu gekommen.

Dass das Liederbuch nicht nur ein verstaubendes Printmedium im Regal sein wird, beweisen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen spontan. Aller 10 Minuten stimmt einer von ihnen ein Stück an, welches ihm im Buch gerade am besten gefällt … und ALLE stimmen ein! Ein Phänomen, welches ich bisher nur hier kennenlernen durfte – beeindruckend! Dabei ist es nicht entscheidend, wenn mal ein „schräger“ Ton darunter ist. Im Chor wird’s laut und stimmig. Nach einigen Gesangsproben und gesättigt durch Steak und Getränk, verlies ich die Runde und bin mir sicher, dass der Abend noch beschwingt bis in die Nacht weiter ging.

Da ich ganz viel Dank von den Saalauern, Kunnersdorfern, Dörgenhausenern, Wittichenauern, Sollschwitzern und Kottenern als Vertreter des Hoch vom Sofa – Koordinationsteams entgegen nehmen durfte, will ich im Gegenzug auch meinen Dank an die Clubs aussprechen … für die Herzlichkeit, die Ausdauer, die Selbstständigkeit, die Erhaltung von Traditionen und die Verantwortung, die ihr für eure Dörfer übernehmt! Alles Gute und viel Spaß mit dem Liederbuch! Besonders ein Daumen hoch an die Mädels und Jungs im Projekt, an Jadwiga und an Christian (den „Strippenzieher“ ;-))!

Euer Torsten