4. Dezember 2019

Dahren, Kleinseitschen, Muschelwitz, Zschernitz - schau mal ganz genau hin!

Na, was fällt dir auf?

„Noch nie gehört!“, „Wo ist das denn?“, „Gibt’s die Wörter?“, „Klingt ulkig?“, …

Nee, nee: Für die richtige Antwort, solltest du einen kleinen Roadtrip wagen – auf der B6 von Dresden Richtung Bautzen. Genauer gesagt nach Göda, eine Gemeinde, von der ich dir gerade vier Ortsteile aufgezählt habe. Hat so manches Dorf – stimmt. Göda hat 30 (!) davon – das ist schon eher ungewöhnlich! Und außergewöhnliche Namen haben sie, weil wir hier genau an sorbischen und deutschen Ursprüngen angekommen sind. Das ist lange her. Was brandaktuell ist: eine kleine Gruppe junger Männer hat sich aufgemacht, diesen Ortsteilen bunte „Hingucker“ zu gestalten. Und hier verbindet sich Geschichte mit der neuen Zeit.

Graffitis sind es, die jetzt an den Stromkästen im Ort zu sehen sind. Die haben immer irgendetwas mit dem Ort zu tun:

Ob es die Kastanie ist, die einmal im Ort als Wahrzeichen stand oder der Apfel, der sinnbildlich für eine alte Obstplantage steht, die Hagebutte, die im Dorf an jeder Ecke gedeiht oder das Panorama, auf das man vom Ort aus blickt, wenn man mal den Kopf hebt. Die sechs Jungs haben sich bei jedem Bild etwas gedacht und das kommt sehr gut an in der Einwohnerschaft. Einmal kurz innehalten in der gestressten Zeit, ein  Denkanstoß, um die kleinen Dinge schätzen zu lernen.

Eigene Geschichten haben die Jugendlichen nun selbst im Portfolio: der „Hornissenüberfall“ an Stromkasten 3 oder der „falsche Kasten“, denn beim zweiten Graffitto  erwischte es statt dem ENSO-Kasten einen von der Telekom. Ein Versehen, welches hoffentlich toleriert werden kann ;-).

Apropos „kleine Dinge schätzen lernen“: Klein fing auch die Gruppe aus Göda an, als sie das alte Kulturzentrum wieder treff-fit machen wollte. Das ist so etwa ein, zwei Jahre her. Was dort geschaffen worden ist, ist zwar nicht Bestandteil der Hoch vom Sofa – Förderung, aber kann sich unter dem Begriff „Eigenengagement“ wirklich sehen lassen. Auch wenn es bei meinem Besuch dunkel war, strahlte das Gelände neues Leben aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe das Gefühl, dass dieser Jugendtreff, der anfangs kritisch beäugt wurde, mit der Zeit nicht mehr in Frage steht. Zumal die Jugend ein „Faustpfand“ in Persona des Bürgermeisters Herrn Meyer auf ihrer Seite weiß. Der fungierte beim Projektbesuch als Reiseführer und lässt keinen Zweifel daran, die Gruppe zu unterstützen, wo es nur geht. Dass die Akzeptanz gewachsen ist zeigt auch, dass ein finanzieller Anteil zu den Graffiti-Aktionen nicht von der Gemeinde oder vom sozialpädagogischen Begleitprojekt der Valtenbergwichtel erbracht werden musste, sondern die ortsansässige Elektro-Firma Heidan diesen spendete. Danke!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war nicht immer einfach, bei so vielen kleinen Puzzle-Teilen die Motivation gleich hoch zu halten. Auch die Jungs haben mit Schule und Ausbildung gut zu tun und gemeinsame Zeiten für Aktionen zu finden war manchmal schwierig. Schließlich bedurfte es auch des Zutuns eines Graffitiprofis, der den letzten Feinschliff vor Ort mit der Gruppe absolvierte. Um so mehr kann jetzt zufrieden auf das Geschaffene geblickt werden! Vielleicht gibt es ja eine Neuauflage im nächsten Jahr. Jetzt wird erst einmal der Rückblick zelebriert. Dazu ließen es sich Bürgermeister und Sozialarbeiter Heiner nicht nehmen, die Jungs (und mich noch dazu ;-))zum Döner in Bautzen einzuladen. Auch nicht alltäglich!

Hier wächst etwas zusammen, dass – so mein Gefühl – nicht so schnell wieder auseinander bricht.

Danke für den schönen Abend sagt

Euer Torsten