Fabiane Rohr / 6. Juli 2015

"Das Schaf im Wolfspelz" - Erster Projektbesuch in Meißen bei den Schülern für Integration - Unser starkes Sachsen

Eine School-out-Party in Meißen entpuppt sich als Charity-Party für Kinder aus Flüchtlingsfamilien.

In der vorletzten Juni-Woche besuchte ich Patrick vom KreisSchülerRat des Landkreises Meißen. Er und sieben weitere Vorstände aus Gymnasien, Oberschulen und Berufsschulen organisierten eine Party, die einen wichtigen Zweck hat. „Einerseits wollen wir etwas für die Jugend in Meißen veranstalten (es gibt so gut wie nichts) und andererseits wollen wir mit dem erwirtschafteten Geld Kindern aus Asylfamilien unterstützen“, so Patrick. Er erklärt mir, dass viele Kinder nicht in den Kindergarten gehen können, da ihre Eltern Anträge ausfüllen müssen, die wiederum genehmigt werden müssen und das dauert meist ein ganzes Jahr. Sprachbarrieren und der Fakt, dass die Familien am Anfang kein bis kaum Geld zur Verfügung haben, erschwert diese Angelegenheit. Damit die Kinder nicht jeden Tag im Heim hocken müssen, soll das Geld genutzt werden, damit sie schneller den Kontakt zu anderen Kindern aufbauen und so schon früh unsere Sprache, Kultur, Werte und Normen kennen lernen können.

Patrick freut sich sichtlich über unsere Hoch-vom-Sofa-Tasche mit praktischen Schreibutensilien und dem Projektmanager-Handbuch.

Patrick freut sich sichtlich über unsere Hoch-vom-Sofa-Tasche…

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… mit praktischen Schreibutensilien und dem Projektmanager-Handbuch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gerade die Ereignisse in den letzten Monaten zeigen, dass es in unserer pluralistischen und postmigrantischen Gesellschaft immer noch nötig ist, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit die Stirn zu bieten und hirnlosen (Brand)Anschlägen auf Asylunterkünfte entgegenzuwirken (kaum zu glauben, dass es die Menschheit angesichts dessen schon bis zum Mond geschafft hat…).

In der Schule wurden Plakate aufgehängt und alle Schüler erhielten eine persönliche Einladung per Flyer.

In der Schule wurden Plakate aufgehängt und alle Schüler*innen erhielten eine persönliche Einladung per Flyer.

Hier fand die Party statt: im Nachtcafé Meissen.

Hier fand die Party statt: im Nachtcafé Meissen.

Auf meine Frage hin, ob der KreisSchülerRat im Vorfeld Presse und Öffentlichkeit über ihr Vorhaben informiert hat, schüttelte Patrick den Kopf und erzählte mir von den bitteren Umständen in Meißen: „Wir haben hier ein großes Problem mit Nazis. Eigentlich wollten wir das Bündnis Buntes Meißen mit ins Boot holen und mit ihnen kooperieren, aber sie sagten, dass sie aktuell krasse Drohungen von den Rechten erhalten und uns Schüler da lieber nicht mit reinziehen wollen.“ Mit entsetztem Gesichtsausdruck lauschte ich Patricks Schilderungen und empfand im Nachhinein vollstes Verständnis dafür, dass der KreisSchülerRat die Charity-Party zum Schutz vor Nazis als „School-out-Party“ tarnte. Nicht auszudenken was hätte passieren können, wenn eine Horde von Asylgegner*innen Wind von der Schülerparty im Nachtcafé Meissen bekommen hätte.

Zum Glück ist alles friedlich verlaufen und die Schüler*innen konnten einige Spenden sammeln. Mehr zu den Vorbereitungen, wie die Party verlief und welche Erfolge und Probleme es vor, während und nach der Veranstaltung gab, berichtet euch Patrick hier, hier und hier [Verlinkung folgt in Kürze].

Ich bin total geflasht vom Mut und der Courage der Schüler*innen, auch wenn ich nur Patrick kennen lernen durfte. Aber ich bin froh, dass sie sich für ein bunteres Meissen einsetzen und nicht den stumpfen Parolen der fremdenfeindlichen Bevölkerung in Meissen Glauben schenken.

Macht weiter so!

Eure Regionalkoordinatorin Fabiane.

 


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