Torsten Kluge / 28. September 2017

Graffiti im Regen

Passend zum Thema, welches am Montag vom Blatt auf die Bushaltestellenwand der Sebnitzer Kreuzstraße projiziert wurde, kämpften sich 3 Jugendliche nebst ihrer zwei erwachsenen Anleiter Friedemann und Rudi durch pitschnasse Regenschauer. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Schließlich ist in der Vergangenheit schon einiges geworden und das entstandene Bild mit der lustigen Meereslandschaft war schon das „Sahnehäubchen“ auf das  Hoch vom Sofa – Projekt „Was läuft so?!“ in der Stadt an der tschechischen Grenze. Bereits im Juni entstanden „Eyecatcher“ am Trafohäuschen in unmittelbarer Nähe des KIEZ.

 

 

Zum Anschauen des Juni-Produkts muss man hoch auf den Berg – wird aber belohnt mit einer wundervollen Aussicht. Erde und Kosmos spiegeln sich seit Sommer in der Sonne (wenn sie scheint). Die Leute, welche dort vorbei schauen, sind eher jugendlich und seltener aus Sebnitz. Das Klassen- und Ferien-Landheim beherbergt junge Menschen aus vielen sächsischen Regionen sowie darüber hinaus. Das Ziel der Sebnitzer Graffiti-Gruppe, einen Blick in die Welt zu wagen, erfüllt sich somit hier im doppelten Sinne.

Dass sich jetzt noch eine Wand für die künstlerischen Ideen öffnete, ist neben den ambitionierten ProjektbegleiterInnen der Aktion Zivilcourage auch der Stadtverwaltung zu verdanken, die scheinbar Gefallen an den kreativen Aktionen der Gymnasiasten und Oberschüler gefunden hat. Umso schöner, dass die Stadtverschönerer jetzt ins Zentrum rücken und auch bei den Einwohnern des Ortes besser wahrgenommen werden können. „Die Nachbarn hatten dann auch gleich Wünsche“, beschreibt Manuel – der neu Hinzugekommene im Team – das aktuelle Projekt. Da es sich ja um die Wand gleich hinter einem Haltestellenschild handelt, wäre es doch schön, einen Bezug zur Busverbindung zu haben. Wie passt das aber zum Thema „Meer“? „Na da bekommen halt Taucher Hinweisschilder in die Hand“, lacht Betty, die (fast ;-)) immer gut gelaunte Gymnasiastin, die mit ihrer Begeisterung für Graffiti in Sebnitz immer wieder Gleichaltrige ansteckt.

Klar ist es wichtig, dass die Nachbarn mit einbezogen werden. Diese werden überrascht sein, wie schnell eine coole Aktion Akzente setzen kann. Eine graue Wand wird so schnell zur phantasievollen Blickwinkelerweiterung. An den Gesichtern der Passanten erkennt man zumindest viel Neugier.

Ich persönlich finde die Farben gut gewählt. Besonders an verregneten Tagen wie diesen setzen sie besondere Lichtpunkte. Ein bisschen störend empfinde ich nur mich, da ich das intensive Arbeiten unterbreche und immer einen Haufen Fragen stelle ;-). So üben sich die fünf Sprayer im Multitasking und erzählen mir ganz offen viel von sich und von ihrer bunten Welt, die sich weit über das Thema Graffiti hinaus zieht. Vom Wunsch nach einem Architektur-Studium ist  bei der 12.-Klässlerin Betty die Rede und vom Ziel, Gemeindepädagoge zu werden bei Manuel. Den Dritten im jugendlichen Bunde des heutigen Tages, Oberschüler Jonas, wird es im nächsten Jahr wahrscheinlich weiter weg ziehen – zur Ausbildung auf ein Gestüt in den westlichen Bundesländern. Das klingt nach klaren Zielen. Jetzt ist aber erst einmal die Heimatwelt in Sebnitz dran und nach und nach puffen die Figuren und Landschaften aus den Caps der Sprühdosen. Da ist schon viel Routine dabei. Und wo die noch ein Stück fehlt, ist ja der professionelle Sprayer Rudi helfende Hand des Quartetts.

Klar soll es weitergehen mit den bunten Aktion, auch im nächsten Jahr. Das Wie wird im Winter besprochen. Erst einmal gilt es, einen schönen Abschluss  hinzubekommen – und noch klarer gibt es da Grund, auch einmal das Geschaffte zu feiern und zu genießen ;-).

Danke für Eure Offenheit! Ich wünsche euch alles, alles Gute!

 

Euer Torsten

 

 

 

 

 


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