Georg Spindler / 12. Dezember 2016

Profile Gahlenz - Der Weg ist das Ziel

Aha – da ist er, der gepflasterter Weg, der jetzt zum Jugendclubhaus in Gahlenz führt! Bisschen dunkel wird es und die ersten Schneeflocken des Winters landen sacht auf den schönen neuen Steinen als wir ankommen, Marion, Luca und ich. Wir blicken zunächst ehrfürchtig nach unten, dann schauen wir uns an und denken: wow, das haben die wirklich gut hinbekommen! Letztes Mal war hier alles noch blanke Erde, unbefestigt und die Wahrscheinlichkeit groß, dass man stolpert oder ausrutscht und dann hätte man Schlammengel gemacht im … naja, im Schlamm.

Davon kann keine Rede mehr sein, sauberen Fußes gelangen wir zum Eingang, unmittelbar daneben die großen neuen Holzschober und jemand ist noch am Hacken. Die Tür öffnet sich und gibt den Blick frei auf einen gewaltigen Kaminofen in dem schon die Funken fliegen. Leute das ist Winter, das ist Gemütlichkeit, das lobe ich mir. „Also setzen wir uns nicht raus auf die Terrasse?“, kleiner Scherz unsererseits.

Drinnen warten schon gefühlt hundert Leute, es ist kuschelig warm und  ein herzliches „Hallo!“ kommt von allen Seiten, ein riesiges Buffet lauert auf dem Tisch: belegte Brötchen, Stollen, Plätzchen, Kaffee, Tee. Es ist, als würde man nach Hause kommen, man spürt richtig die Nestwärme!  „Der Winter ist die beste Zeit im Jugendclub…“, wird uns berichtet „…im Sommer sind alle unterwegs und haben mit sich zu tun. Im Winter sind alle da, man kommt zusammen, einfach weil es schön ist, zur Zeit sogar jeden Abend!“ Wahnsinn, das gibt es nicht so oft, bestätigt uns auch ein junger Mann, der in einigen Clubs unterwegs ist und das sagt auch Mandy von der Landjugend, die ebenfalls weiß, wovon sie spricht, denn sie unterstützt einige Jugendgruppen aus der Region. Sie fragt in die Runde: „Wie habt ihr das nur geschafft?“

Wie sich herausstellt, hat auch bei diesem Projekt nicht immer nur die Sonne geschienen, ganz im Gegenteil. Während der Bauphase ist nämlich ein typisches Problem aufgetreten, mit dem wohl jeder Jugendclub gelegentlich zu kämpfen hat: der Generationswechsel. Für den „Nachwuchs“ ging es bei dem Bauprojekt um die Zusammenarbeit und den Spaß an der Sache, sie wollten sich ausprobieren und ihre eigenen Fehler machen und Erfahrungen sammeln. Zwischenzeitlich gab es deswegen Streit mit den alten Hasen vom Vorstand, denen es hauptsächlich um ein gutes Ergebnis ging. Eine richtige kleine Revolution war nötig, damit alle wieder Lust auf das Projekt bekamen und sich an den Bauarbeiten beteiligten.

Jetzt nachdem alles fertig ist, kann man sagen, dass das Projekt die Gruppe echt zusammengeschweißt hat und dass man sich richtig kennen gelernt hat, jede(r) weiß um die Talente der Anderen und man hilft sich gegenseitig bei allen möglichen Gelegenheiten, ganz egal ob es um einen Umzug geht oder darum, das Moped wieder flott zu kriegen. Eins von den Mädels sagt: „Ich weiß jetzt, wen ich ansprechen muss, wenn dies oder das ansteht.“

Apropos Mädels, auch die gängigen Vorurteile wurden abgebaut, die Jungs sagen: „Wir haben gemerkt, dass die Mädels auch ganz schön anpacken können! Die fahren hier Traktor und machen Holz, das ist klasse!“ Klar, alle können hier richtig gut improvisieren, aber die Voraussetzungen stimmen einfach auch. Im so genannten ländlichen Raum hat man schnell Werkzeuge und Maschinen bei der Hand, die man in der Stadt lange sucht. Man kann auch mal Krach machen.

Okay, manchmal meckert dann auch der Nachbar, aber solche Sachen werden von der Gruppe mit Geduld und dem entsprechenden Fingerspitzengefühl geklärt. Das trägt Früchte, denn am Ende ist der Nachbar stolz auf die Jugend, er  macht für sie ein Gruppenfoto während der Bauarbeiten und schenkt es ihnen. Er freut sich doch auch, dass es vorwärts geht und dass die Jugend nicht nur für sich selbst arbeitet.

Etwas ganz Besonderes ist die Offenheit die hier herrscht, man will nicht unter sich bleiben, sondern ist richtig neugierig auf Andere: „Alle sind willkommen. Wir freuen uns, wenn wir hier neue Leute kennen lernen.“ Das merkt man wirklich sofort! Durch diese Einstellung wird der Jugendclub mehr und mehr zu einem gesellschaftlichen Zentrum im Ort, vielleicht sogar in der Region. Auch die Erwachsenen kommen nun gelegentlich vorbei, um die gute Atmosphäre zu genießen. Auspannen im Jugendclub! Das sind ganz neue Perspektiven, die sich da eröffnen. Vielleicht muss bald wieder (an)gebaut werden? Keine schlechte Idee, denn die alte Weisheit: „Der Weg ist das Ziel.“ stimmt hier in jeder Hinsicht.

 


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